360°-Kameras für Jedermann

Die Faszination des Rundumblicks

360 little planet view bei intervideo

Published on 19. Juni 2018

Written by Mathias Schwaben

Das Arbeiten in einem Unternehmen, dass sich auch als Vorreiter für die Anwendung neuer Technologien sieht, ist nicht immer einfach und verlangt ein ungeheures Maß an Selbstdisziplin. Warum? Als Mitarbeiter erlebt man die ganzen tollen Gadgets und Geräte die auf den Markt kommen live. Sie werden hier ausgepackt, zusammen- oder aufgebaut, angeschlossen und angeschaltet. Das ist ja erst einmal eine klasse Sache. Cool, die Samsung Odyssey lange bevor sie auf den deutschen Markt kommt zu benutzen. Das Problem: Manches beeindruckt so, dass ein schwer zu bekämpfender „Will Haben“-Effekt entsteht. In unserem Blogartikel „Live vom Intervideo 360-Grad-Dreh“ ging es um die Besonderheiten des Drehs in 360 Grad und um die Aufgaben eines Setrunners“ bei einer Filmproduktion. Dieser Setrunner war ich, Marketing Mitarbeiter bei Intervideo. Wenn ich über ein Thema schreibe, muss ich natürlich auch etwas davon verstehen. Um tiefer in die Materie einzusteigen, befrage ich meine Kolleginnen und Kollegen und recherchiere im Internet über 360-Grad Videos, die Technik, die Kameras. Die Kamera, die bei Intervideo eingesetzt wird, würde mein privates Budget bei weitem sprengen. Aber bei diesen Recherchen stieß ich auch auf die vielen Testberichte über 360° Kameras für den privaten Bereich. Also schaute ich mir die verschiedenen Anbieter an wie 360fly, Ricoh, Kodak, GoPro, Xiaomi und und und. Die Nachfrage scheint groß zu sein, denn die Zahl der Produkte scheint permanent zu wachsen.

Meine persönliche Nachfrage führte erst einmal zum zaghaften Kauf einer Theta M15 auf eBay-Kleinanzeigen für 30 €. Ich freute mich darüber, dass die Kamera in einem sehr guten Zustand ist. Auch die Verarbeitung machte einen guten Eindruck. Der Akku war voll, der Speicher leer, also schoss ich umgehend das erste Foto. Auf dem Handydisplay sieht das dann auch absolut ok aus, schaut man sich das Ergebnis aber auf einem Tablet mit HD-Display an, erkennt man, warum man bei der Auflösung der Theta M15 eigentlich nur von einem Gimmick sprechen kann. Wer nur Fotos macht und diese nur auf dem Handy zeigen will, der allerdings kann mit dem kleinen Gerät seine Freude haben. Inzwischen gibt es von Ricoh die Theta V, die mit einer Video-Auflösung von 4K wirbt. Allerdings sind 4K bei einem normalen Video und 4K bei einem 360 Grad Video zwei Paar Schuhe, denn die 4K verteilen sich dort nicht auf einen recht kleinen Bildausschnitt, sondern auf die gesamten 360 Grad. Das bedeutet leider, dass ein 360 Grad Video mit 4K Auflösung immer noch pixelig aussieht.

Ricoh Theta bei Intervideo

Ricoh Theta S – der M15 Nachfolger

Generell kann man daher sagen, dass die 360° Kameras der aktuellen Generation schon recht gute Fotos machen, aber im Video-Bereich schlichtweg noch zu schwach auf der Brust sind. So war meine zweite Anschaffung eine Xiaomi Mi Sphere, die ich sehr günstig bei einem Sale erstanden habe. Die Kamera ist klein, macht einen sehr robusten Eindruck, ist staub- und spritzwassergeschützt und hat eine elektronische 6-Achsen-Bildstabilisierungs-System. Die Fotos sind wirklich gut und die Videos nach 4K-Software-Update wie gesagt aufgrund der Auflösung niemals knackscharf, aber doch ganz ok.

Während die Theta mich inzwischen wieder verlassen musste, ist nun die wasserdichte 360fly in meinem Besitz. Auch sie liegt im 4K Bereich. Allerdings liefert sie zwar horizontal 360°, vertikal aber nur 240°. Das bedeutet, dass man beim Blick nach unten eine graue Fläche sieht in dem Bereich, den die Linse (im Gegensatz zu den Mitbewerbern kommt die 360fly mit einer Linse aus) nicht sehen kann. Das wirkt vor allem dann störend, wenn man zuvor den lückenlosen Blick der Fotos und Filme anderer Hersteller gesehen hat. Dieser Nachteil birgt aber auch den kleinen Vorteil, dass sich die 4K nicht auf den gesamten Raum verteilen, sondern vertikal auf besagte 240 Grad. Zudem muss das Material nicht gestitcht werden. Als Stitchen (vom Englischen to stitch = nähen) bezeichnet man das Zusammenführen der Aufnahmen verschiedener Blickwinkel der Kameras bei einem Dreh mit einem sogenannten Rig/Mount, einer Halterung für mehrere Kameras, die dann parallel eine Szene aufnehmen oder der beiden Aufnahmen einer Kamera mit zwei Linsen, wie es beim Großteil der Kameras im Consumer-Bereich der Fall ist (ausgenommen der 360fly mit einer Linse). Bei allem Kameras sieht man die Naht der verschiedenen Aufnahmen, denn insbesondere bei Details wie Grashalmen ist es ohne Nachbearbeitung kaum möglich, dass nicht doch einmal ein Unterschied in der Belichtung zu sehen ist oder aufgrund der Verzerrung der Linsen im Randbereich eine unnatürliche Krümmung. Damit kann man als Privatanwender aber durchaus leben, bewerkstelligen die Kameras das ganze intern, ohne dass der Anwender Arbeit damit hat. Im Profibereich sind die Ansprüche höher. Hier wird gefeilt, bis es absolut keine Naht mehr zu sehen gibt. So nimmt die Nachbearbeitung mehr Zeit in Anspruch als der eigentliche Dreh. Auch bei unserem Pilotprojekt für Intersport war das Material am Ende absolut nahtlos.

YI 360 VR bei Intervideo

Klein und fein: YI 360 VR

Wissend, dass das für mich gar nicht möglich ist, war ich dennoch weiter auf der Suche nach einer 360° Kamera, die auch brauchbare Videos macht. Aber die Garmin VIRB 360 mit 5,7k und die GoPro Fusion 5,2K Videoauflösung waren mir einfach mit 700 bis 800 € zu teuer. Das ist dann doch eine andere Hausnummer als 30 Euro bei eBay. Genau dort entdeckte ich aber zum Schnäppchenpreis eine YI 360 VR mit 5,7K Videoauflösung. Zwar ist die Kamera nicht staub- und spritzwassergeschützt, hat dafür aber ein eigenes Display mit wirklich intuitiver Benutzerführung und eine beeindruckende Bildstabilisierung. In-Kamera Stitching erfolgt bis 4k, für 5,7K Aufnahmen ist das Stitching per kostenlos verfügbarer Anwendung am PC von Nöten. Das geht allerdings kinderleicht und es lohnt sich: Das erste Mal bin ich mit den Videoaufnahmen zufrieden. Da auch der offizielle Verkaufspreis der Kamera bei nur 399,- € liegt, ist die YI 360 VR meine persönliche Kaufempfehlung in Sachen Video. Wer nur Fotos in guter Qualität machen will, dem empfehle ich die Xiaomi oder ein baugleiches Modell. Mit ein bisschen Glück ist man hier mit unter 200 € dabei.

 

 

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Über den Autor: Mathias Schwaben

Marketing-Experte bei Intervideo mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Noch länger ist er allerdings Gaming-, Rock- und natürlich Film-Fan – mit einer besonderen Bewunderung für Tim Burton und Guillermo del Toro.

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