Intervideo-Filmkritik: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Klare Botschaft ohne Twist und doppelten Boden

Intervideo Filmkritik zu Shape of Water

Published on 19. Juni 2018

Written by Mathias Schwaben

Eines Vorweg: Diese Filmkritik spiegelt die Meinung einer einzigen Person wider, die des Autors. Und ich (der Autor) bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass es viele Menschen gibt, die ganz anderer Meinung sind. Und das ist ja auch gut so. Denn eine wenig verschlüsselte Botschaft von Shape of Water ist die Bedeutung der Toleranz. Also toleriere ich das ganze Spektrum derjenigen, die sagen „So ein Mist, Fischmenschen gibt’s ja gar nicht und was war das für eine abartige Sexszene?“ bis hin zu denen mit der Meinung: „Ich habe da doch weit mehr Tiefgang erwartet. Unter zehn Handlungssträngen auf fünf Zeitebenen und bitte in französischem Original mit japanischen Untertiteln, auch wenn der Regisseur aus Sachsen ist, schaue ich mir keinen Film an. Und was bedeutet bitte 4K?“. Ich toleriere und finde es schade, dass nicht alle den Film so genießen konnten wie ich, der Shape of Water nicht für den größten Film aller Zeiten hält, aber für ein richtig, richtig gutes Stück echtes Kino. Anlässlich der Veröffentlichung auf DVD und Blu-Ray folgend die Filmkritik von Intervideo.

Handlung
Die 60er Jahre. Die USA und Russland befinden sich im kalten Krieg und im Wettstreit, wer zuerst einen Menschen ins All befördert. Die stumme Elisa lebt ein recht einsames Leben und verdient sich ihr Geld als Reinigungskraft in einem US-Labor. In dieses Labor wird unter größter Geheimhaltung ein Fischwesen aus dem Amazonas gebracht. Sicherheitschef Strickland und der Wissenschaftler Dr. Hoffstetler sind mit der Erforschung der Kreatur beauftragt. Eines Tages wird Elisa mit der Reinigung des Raumes beauftragt, in dem sich das Wesen befindet. Erst langsam, dann aber immer intensiver nähern sich Elisa und der Fischmensch an. Sie will ihn befreien, droht ihm der Tod zwecks Obduktion. Es folgt ein Kampf gegen die Zeit und vor allem gegen den abgrundtief bösen und selbstsüchtigen Strickland.

Intervideo Filmkritik Shape of Water

Sally Hawkins and Doug Jones on the set of THE SHAPE OF WATER. Photo by Kerry Hayes. © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Kritik
Ich muss gestehen, ich bin großer Fan von den Märchenerzählern des Kinos wie Tim Burton mit „Big Fish“, „Sleepy Hollow“ oder „Die Insel der vergessenen Kinder“, Terry Gilliam mit „König der Fischer“, „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ oder natürlich „Brazil“ und eben Guillermo del Toro, der mich vor allem mit „Das Rückgrat des Teufels“ und „Pans Labyrinth“ begeisterte. Shape of Water scheint tatsächlich oberflächlicher als Pans Labyrinth und ist kein Film, der ständige Aufmerksamkeit verlangt wie vielleicht Interstellar oder Inception. Jeder kann ihn verstehen. Meine ununterbrochene Aufmerksamkeit hatte Shape of Water dennoch, denn aus jeder Pore dringt die Filmkunst del Toros, die mich wirklich in den Bann zog. Die Farben, die Ausstattung, die Musik, die Figuren – mal wunderschön, mal schaurig schön. Und in diesem Setting ist eine Handlung zu finden, die ganz bewusst nicht mit Ecken und Wendungen daherkommt, sondern wie ein Märchen ganz klar mit Gut und Böse. Auffallend plakativ finden wir auf Elisas Seite den schwulen Nachbar und die farbige Kollegin stellvertretend für alle Minderheiten und ganz unverblümt erinnert uns der Antagonist, der böse, weiße Mann, an den einen oder anderen Populisten in aktuell staatsführender Position. Es ist so simpel und so klar und es ist schön, es auch einmal so klar zu sagen, verständlich für jeden – in den Worten von del Toro selbst klingt das so: Shape of Water ist ein Film gegen Ausgrenzung und für Diversität.
Nun könnte man denken, dass dieser Film kaum anecken kann in unserer heutigen Zeit. Die 60er, das ist ja auch lange her und wie sind heute moralisch viel weiterentwickelt, toleranter und irgendwie mehr Mensch. Schauen wir uns an, was derzeit so alles passiert, müssen wir uns aber wohl eingestehen, dass wir uns da wohl auf einem Irrglauben ausruhen. Überall schreien die Menschen nach Grenzen, nach Mauern, es kommt der Brexit und überall stellen Marktschreier die Globalisierung in Frage. Del Toros Film kommt genau richtig und nein, er lässt keine Zwischentöne zu und womöglich würde man ihn sogar nur mit besagten japanischen Untertiteln verstehen, so klar sind seine Bilder.

Shape of Water del Toro

Sally Hawkins and Richard Jenkins in the film THE SHAPE OF WATER. Photo by Kerry Hayes. © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

So plakativ die Figuren del Toros sind, so völlig normal sind sie auch, harmonisch in ihrem Zusammenleben, aber durchaus auch mal zickig. So ist die von Sally Hawkins fantastisch gespielte Elisa eben nicht nur braves Mauerblümchen und einfach immer nur lieb. Schön auch, wie del Toro Elisas Bedürfnisse zum Beispiel als liebgewonnene, völlig selbstverständliche und natürliche Morgenroutine darstellt inklusive dem Kochen der Frühstückseier und der Selbstbefriedigung in der Badewanne. Und selbst diese unschuldige Szene, ebenso wie eine sehr liebevolle Sexszene mit dem Fischwesen, sorgt für heftigste Beschimpfungen im Internet und bei den Reviews bei Amazon – Amazon Deutschland, nicht USA! Wörter wie „ekelhaft“ oder „abartig“ fallen da und es wird schnell klar, dass Heuchelei, Doppelmoral und Intoleranz noch immer in zahlreichen Haushalten zu finden sind.

Del Toros Film ist ein Märchen, pure Macht der Fantasie, eine Hommage an das Kino in Technicolor – diese Bilder, jedes kleine Detail, die Figuren und die Musik. Aus 13 Oscar-Nominierungen wurden vier Auszeichnungen – für die Regie, den besten Film, die beste Filmmusik und das beste Szenenbild. Und das hat der Film auch absolut verdient!

Shape of Water Filmkritik

Shape of Water Filmplakat

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Über den Autor: Mathias Schwaben

Marketing-Experte bei Intervideo mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Noch länger ist er allerdings Gaming-, Rock- und natürlich Film-Fan – mit einer besonderen Bewunderung für Tim Burton und Guillermo del Toro.

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